Kein „Anti-Islam-Kongress” in Köln!

Am Wochenende vom 19.-21. September 2008 will die rechtspopulistische „Bürgerbewegung pro Köln” einen europaweiten „Anti-Islam-Kongress” in der Kölner Innenstadt veranstalten. Angekündigt werden 1000 Vertreter rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien aus ganz Europa, die sich den Kampf gegen die vermeintliche „Islamisierung und Überfremdung des Abendlandes” auf die Fahne geschrieben haben: der Front National, die FPÖ, der Vlaams Belang, die Lega Nord u.v.a.
Neben einer Antifademo am Vorabend den 19.09. um 19Uhr am HBF Köln wird es am 20. und 21.09. Blockaden rund um den Kongress geben.

Hier aktuelle Infos

Info- und Mobilisierungsveranstaltung in Braunschweig
Dienstag – 09.September – 19 Uhr – Sub – Kuhstrasse 28

Die Infoveranstaltung dreht sich um den Stand der Mobilisierung, die gemeinsame Fahrt nach Köln, und Inhaltliches zu den Themen Rechtpoulismus und Pro Köln, Kultur und Rassismus sowie Islam vs. Islamismus.

Hier gibt es den von uns unterstützten Aufruf des …umsganze- Bündnis

Und zu guter letzt hier unser eigener Aufruf

Kein Rassisten Kongress in Köln!
Vom 19. bis 21. September findet in Köln ein von der rassistischen
Bürgerinitiative „Pro-Köln“ organisierter „Anti-Islamisierungskongress“
statt, zu dem mehrere Tausend Anhänger von rechtspopulistischen
Organisationen aus ganz Europa erwartet werden. Zu den prominenten
Gästen gehören u.a. Jean-Marie Le Pen von der Front National aus
Frankreich und der Vorsitzende der FPÖ “HC”-Strache aus Österreich.
Das Treffen in Köln ist zum einen Ausdruck der immer stärkeren
Vernetzung der extremen Rechten in Europa sowie einer rassistischen
Mobilmachung gegen den Islam im Allgemeinen und europäische Muslime
im Besonderen.

[Antiislam Kongress…

Das Kongressthema der Rechten “der Islam und seine Bedrohung für
Europa” ist nicht ohne Grund gewählt, dockt es doch an die fremdenfeindlichen
Diskurse der sog. “Mitte” der Gesellschaft an und eröffnet dadurch
die Möglichkeit für das rechtspopulistische Lager ihre Vorstelllungen von
gesellschaftlichem Ausschluß und die damit einhergehende Legitimität von
Ausgrenzung und Abschottung auf die öffentliche Bühne zu tragen. Dabei
soll die Unvereinbarkeit der europäischen Kultur mit dem Islam propagiert
werden. Während dabei der Islam, als barbarisch und rückständig und mit
dem Willen zur Vernichtung der westlichen Welt (terroristisch) dargestellt
wird, wird Europa als zivilisatorische, humanistische und homogene kulturelle
Einheit definiert, die der islamischen Kultur überlegen ist. Der Islam
wird dabei als einheitliche Gruppe konstruiert, deren Eigenschaften jedes
zugeordnete Individuum maßgeblich prägen.

…alter Rassismus in neuem Gewand]

Folge dieses Denkens ist eine stetige Ausgrenzung von muslimischen
Menschen, ihre Entrechtung sowie die Forderung ihrer Ausweisung aus
Europa, und der positive Bezug auf die eigene “abendländische Kultur”,
die sich dann in der Europäischen Union institutionalisiert wiederfindet.
Menschen werden also nicht als Ergebnisse ihrer widersprüchlichen sozialen
Umwelt gesehen, sondern ihnen werden als vermeintliche Teile einer
natürlichen Gemeinschaft (“Kultur”) bestimmte Eigenschaften zu gesprochen.
Eine solche Auffassung unserer Gesellschaft und ihrer Widersprüche ist
dabei keinesfalls eine Einzelerscheinung. Vielmehr gibt es seit einiger Zeit
ein gesellschaftliches Klima, das dem Bild der aufgeklärten, humanistischen
Europäer_in jenes des barbarischen, potenziell terrorverdächtigen
Moslem gegenüberstellt.
Diese Anschauung wird nicht nur von der extremen Rechten vertreten,
sondern gehört zum Repertoir der politischen Mitte und findet sich in
Terrorwarnungen genauso wie repressiven Gesetzen wieder.
Die hierbei auftretenden Argumentationsmuster unterscheiden sich nicht
grundsätzlich vom klassischen Rassismus, sondern führen ihnen in modifizierter
Form fort. Unterschiedlich sind die Konzepte des klassischen
Rassismus und der kulturalistischen Variante in der Art und Weise, dass
für die Bildung des Selbst und des Anderen sich nicht mehr auf eine
Ideologie von Blut und Boden bezogen wird, sondern vielmehr die
Zugehörigkeit zu einer wie auch immer definierten “Kultur” herangezogen
wird. Die bürgerliche Gesellschaft Mitteleuropas erscheint in diesem
Zusammenhang als in ihren Werten durch islamistische Bestrebungen
bedroht.

[Rassismus und bürgerliche Gesellschaft – (k)einZusammenhang?!]

Diesen beiden Arten von Ausgrenzungsdiskursen (klassischem Rassismus
und kulturellen Rassismus) liegt jedoch das gleiche Prinzip zu Grunde:
das gute Selbst bestimmt sich über vermeintliche Wesensunterschiede
zum schlechten Anderen. Die sich ständig in ihrer Existenz, sowie in ihrer
Selbstachtung gefährdet sehenden Individuen, müssen des Schutzes
ihres jeweiligen Nationalstaates bzw. der Zugehörigkeit zu einem
nationalen/kulturellen Kollektiv versichern. Dieses Konstrukt ist für die
bürgerliche Gesellschaft und ihre Ideologie konstitutiv und notwendig
Die eigene Zugehörigkeit zu einem nationalen/kulturellen Kollektiv bedingt
notwendigerweise die Abgrenzung und Ausgrenzung von vermeintlich
Anderen.
Die jeweilige konkrete Grenzziehung zwischen den verschiedenen
Kulturen verläuft dabei analog zur ökonomischen Blockbildung. So wird
die EU welche gemeinsame wirtschaftliche Interessen verfolgt zu einem
kulturell homogenen Gebilde erklärt und ersetzt damit tendenziell die alte
Form des klassischen Nationalismus. Insofern spiegeln sich in den antimoslemischen
Diskursen die ökonomische Wirklichkeit und der immer
größere Stellenwert der EU für den eigenen Ökonomischen Erfolg der
Nation wieder.
Besonderes Merkmal des anti-islamischen Ressentiments ist die nicht
vorhandene Differenzierung zwischen dem Islam als einer Religion wie
jeder anderen und dem Islamismus als politischer Bewegung. Im Zuge
dessen werden alle Muslime als zivilisationsfeindlich und potenziell terrorverdächtig
diffamiert.

[Islam und Islamismus- der kleine große Unterschied]

Sich kritisch mit dem Thema Islamismus oder des Islam als Teil allgemeiner
Religionskritik zu befassen, ist keine einfache Aufgabe, da mit solchen
Auseinandersetzungen unter Umständen Ressentiments der gesellschaftlichen
Mitte bestätigt oder sogar forciert werden könnten.
Dennoch ist eine Auseinandersetzung mit dem Islamismus als politische
Bewegung wichtig für eine Perspektive die gesellschaftliche Ausgrenzung
und Unterdrückung abschaffen will. Denn hinter dem religiös verkleideten
Programm des Islamismus steht die gleiche Idee wie die der Deutschen
Rechten, einer Gesellschaft in der die Bedürfnisse des Einzelnen und die
Forderung nach Glück und einem schönen Leben der nationalen oder religiösen
Zwangsgemeinschaft geopfert werden und jeder Verstoß gegenüber
den Regeln der Herschaft mit Ausschluß und Gewalt geahndet
wird. Das Programm des Islamismus ist dabei kein antimodernes
Gegenmodell zur westlichen Welt, sondern eine moderne reaktionäre
Bewegung die auf die Unsicherheit und Krisenhaftigkeit des globalen
Kapitalismus mit der Forderung die eigene Gruppe und ihre Ansprüche
durch das eigene Modell der Herschaft zu priviligieren antwortet.

[Just do it! ]

Damit die Pro Köln mit ihrem rassistischen Kongress nicht ungestört ihre
reaktionären Vorstellungen in die Öffentlichkeit tragen kann, mobilisieren
unzählige Gruppen aus dem ganzen Bundesgebiet am 20.September
nach Köln zu einer großangelegten Blockade des Kongressortes. Wir
halten die Unterstützung der Gegenaktivitäten notwendig für die Linke um
den rassistischen Forderungen der Rechten mit der nötigen Antwort zu
begegnen. Da es aber nicht nur darum geht den Rechten in die Suppe zu
spucken sondern auch eine Position fernab von Nation, Staat und
Kapitalismus einzubringen wird es bereits am Vorabend eine
Demonstration geben, die von Antifagruppen und dem
Ums-Ganze-Bündnis organisiert wird. Wir rufen daher dazu auf: fahrt
nach Köln und beteiligt euch an den Aktionen!
Köln rocken – Rassisten stoppen

9.9. Infoveranstaltung 19.00 Sub Kuhstrasse 28, BS
Es wird einen Bus und Pennplätze geben!!!!
19.9. Antifa Demo in Köln, 19.00, HBF
20.9. Direkte Aktionen und Blockaden rund um den Kongress
Antifaschistische Gruppe Braunschweig (A.G.B.)