agb http://agb.blogsport.de Mon, 19 Jan 2015 10:09:04 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en „In der Dämmerung fallen ihre Masken“ – Von Wahn, Vision & Identität http://agb.blogsport.de/2015/01/19/in-der-daemmerung-fallen-ihre-masken-von-wahn-vision-identitaet/ http://agb.blogsport.de/2015/01/19/in-der-daemmerung-fallen-ihre-masken-von-wahn-vision-identitaet/#comments Mon, 19 Jan 2015 10:08:46 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2015/01/19/in-der-daemmerung-fallen-ihre-masken-von-wahn-vision-identitaet/

Im Oktober 2014 führten die „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln einen Aufmarsch durch, bei dem es gelang einen bisher nicht gekannten Schulterschluss zwischen Rechtspopulist_innen, Straßenschläger_innen, und offen neonazistischen Parteien und Personen durchzuführen. Nach gewalttätigen Ausschreitungen in Köln führten HoGeSa nur noch eine stationäre Kundgebung unter starken Gegenprotesten in Hannover durch und scheinen aktuell in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Auch im Oktober fand sich in Dresden eine Bewegung zusammen, die die gleichen inhaltlichen Standpunkte vertritt, allerdings mit einem bürgerlichen Image. Unter dem Namen „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) wurde der Protest gegen eine angebliche Islamisierung und gegen angebliche Wirtschaftsflüchtlinge in vermeintlich friedlichere Bahnen gelenkt.
Die Pegida Bewegung expandierte schnell deutschlandweit und führt aktuell in verschiedenen Städten jeden Montag Demonstrationen mit immer den gleichen rassistischen Forderungen durch. Braunschweig bildet hierbei leider keine Ausnahme mehr, auch zur Freude der ortsansässigen Neonaziszene. So begrüßt die Partei „Die Rechte Braunschweiger Land“ die Proteste und mobilisiert zu der Veranstaltung am 19. Januar 2015.
Die Mehrheit der Teilnehmer_innen dieser Aufmärsche biologisieren den Rassismus allerdings im Gegensatz zu den Nazis nicht. Der Rassismus der „patriotischen Europäer“ funktioniert auch ohne eine biologistische Konstruktion von Rasse. Die Herstellung eines Eigen- und Fremdkollektivs läuft hier über das Ticket Kultur. Kultur meint für Pegida-Rassist_innen, ein abgeschlossenes ungebrochenes System, das historisch gewachsen und das mit anderen Kultursystemen nicht kompatibel ist, weil diese gesellschaftlich homogen sein müssen. Die Menschen stellen hier Träger_innen der Kultur dar und sind nicht, wie im biologischen Rassismus, mit ihr verwachsen.
Mit dieser Auffassung stehen sie den Islamisten – die sie vorgeben zu bekämpfen – näher als sie denken. Ihr auserkorenes Feindbild – der Islam – stellt den fremden Kulturkreis dar, der mit der angeblichen westlichen eigenen Kultur nicht kompatibel sei, ihr sogar diametral entgegenstehe. Diesem islamischen Kulturkreis zugerechnet werden auf der einen Seite islamistische Bewegungen wie die Salafisten sowie auf der anderen Seite jede Moschee und jede arabisch klingende Shishabar. Zwangsverschleierung oder Unterdrückung der Frau und der Aufbau einer autoritären Gesellschaftsform – Ziele von islamistischen Bewegungen – werden zur Eigenschaft aller Muslime gemacht, egal wie aufgeklärt deren Weltbild ist. Frauen, die gegen die Unterdrückung durch die islamistische Ideologie (die oft auch von Frauen durchgesetzt wird) kämpfen, hilft es allerdings wenig wenn diese Unterdrückung zur Eigenschaft ihrer Kultur gemacht und nicht als das kritisiert wird, was sie ist: patriarchale Ideologie, Gewalt und Zwang.
Hier liegt genau die Überschneidung von Islamisten und Pegida-Teilnehmer_innen, durch die deutlich wird wie ambivalent und inkonsistent Kultur sein kann: Sie sind sich mit den Islamisten einig darüber, dass der Islam nur Unterdrückung und Sharia bedeuten kann. Eine These, der die meisten Muslime sicherlich widersprechen würden.
Pegida ist die Reaktion auf ein Deutschland, das immer mehr als ausländerfreundlich und kulturinteressiert in Erscheinung tritt. Während sich ein Großteil der Bevölkerung auf „Festen der Kulturen“ herumtreibt, entsteht dort auch kein anderes Verständnis von Kultur als bei Rechtspopulisten, es findet nur eine andere Form der Bewertung statt. Die fremde Kultur wird als exotisches Anderes konstruiert.
Salafisten, die in deutschen Innenstädten den Koran verteilen, um Mitglieder zu rekrutieren, werden in dieser Denkweise im schlimmsten Fall als kulturelle Eigenheit des islamischen Kulturkreis verklärt und nicht als das kritisiert, was sie sind: reaktionäre und gefährliche Arschlöcher.Ohnmächtig stehen sowohl Pegida als auch Islamisten der Realität gegenüber und kennen nur einen Ausweg – die erzwungene Homogenisierung der Gesellschaft.
In dieser gesellschaftlichen Totalität sind Pegida und Islamisten letztendlich zwei Seiten einer Medaille. Sie sind Reaktionen auf die kapitalistische Vergesellschaftung und lehnen damit auch ihr positives Potenzial ab.
Pegida ist auf der einen Seite die irrationale Verarbeitung der eigenen Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen, in Form der Projektion des Unbehagens in die Figur des muslimischen Fremden. Die rechtsstaatlich kaum mehr vorhandene Asylgesetzgebung, die dank Frontex stetig wachsenden Leichenberge an den europäischen Außengrenzen und die insbesondere seit Anfang 2014 rasant steigende Zahl an rassistisch motivierten Anschlägen und Übergriffen reichen ihnen in ihrem Hass gegen die vermeintlich Anderen nicht aus.
In ihrem menschenverachtenden Wahn werden Flüchtlinge zum Sündenbock und zum Grund der Leidensgeschichte des Einzelnen in der kapitalistischen Gesellschaft.
Der Islamismus ist auf der anderen Seite die negative Aufhebung des Widerspruches zwischen bürgerlichem Glücksversprechen und der gesellschaftlichen Realität, hilfloses Objekt der Verhältnisse zu sein.
Seine Motivation ist dabei nicht allein über Interessen ökonomischer und/oder politischer Natur erklärbar. Es ist kein machtpolitischer Anspruch einer Weltreligion oder gar das Aufbegehren der abgehängten Trikont-Massen. Der rationale Gewinn für die Islamisten ist die negative Aufhebung der kapitalistischen Widersprüche durch die Vernichtung des Ungleichen. Der Wunsch der Islamisten ist es, die Welt zu einer noch größeren Hölle zu machen, in der noch nicht mal der Gedanke an ein halbwegs gerechtes, lebenswertes Leben denkbar ist.

Dies heißt aber nicht, bei den gegenwärtigen Verhältnissen stehen zu bleiben.
Eine emanzipatorische Kritik, die auf Pegida und Islamismus zielt, muss immer auch die bürgerliche Gesellschaft im Fokus haben. Diese beiden reaktionären Ideologien sind eben keine simplen Weltanschauungen, die aus dem Nichts heraus entstehen, sondern stellen Reaktionen der unbewussten, psychischen Verarbeitungen der herrschenden Verhältnisse dar.
Und weil Ideologien eben keine platten Weltanschauungen sind, ist es wichtig, nicht nur Ideologiekritik, sondern auch Aufklärung gegen die gesellschaftlichen Zustände – die beides zu verantworten haben – zu betreiben.
Das Fazit einer dialektischen Betrachtung der Aufklärung meint letztendlich nicht, allein den Status quo gegen noch Schlimmeres zu verteidigen sondern aufzuzeigen, dass dieser Status quo ursächlich für das ist, was gleichzeitig im schlimmsten Fall zu seiner negativen Aufhebung tendiert.
Es ist Aufklärung über den positiven Gehalt von Freiheit und Gleichheit als negatives Bild ihrer gegenwärtigen kapitalistischen Form. Es ist der Kampf für Verhältnisse, die keine Unterdrückung produzieren, die entweder nach ihrer Aufhebung in der Vernichtung des Anderen endet oder die die Figur des Fremden erschaffen muss, um darin den Hass auf das was ist zu projizieren.
Der Kampf gegen Pegida und Islamismus ist demnach der Gleiche. Er muss beide als Feinde der befreiten Gesellschaft benennen und angreifen. In diesem Sinne:

Gegen Islamismus, Rassimus und Kapitalismus! Für die befreite Gesellschaft, für den Kommunismus!

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Veranstaltungsreihe »We found Marx in a hopeless place« http://agb.blogsport.de/2014/12/02/veranstaltungsreihe-we-found-marx-in-a-hopeless-place/ http://agb.blogsport.de/2014/12/02/veranstaltungsreihe-we-found-marx-in-a-hopeless-place/#comments Tue, 02 Dec 2014 20:31:43 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/12/02/veranstaltungsreihe-we-found-marx-in-a-hopeless-place/ MARX
Die Meisten assoziieren mit dem Namen Karl Marx eine vermeintlich überholte Weltanschauung, welche in Zeiten der Industrialisierung aktuell gewesen sein mag, in Zeiten der sozialen Marktwirtschaft aber von der bürgerlichen Volkswirtschaftslehre widerlegt worden ist.
Die Lesart „Neue Marx-Lektüre“ tritt an, den Gegenbeweis zu erbringen und geht über die Grenzen der Betrachtung der systemimmanenten, aktuellen Wirtschaftslehre hinaus.
Mit dieser Veranstaltungsreihe möchten wir euch einen Einblick in die Kritik der politischen Ökonomie nach Marx geben, welche mehr und mehr von den Hochschullehrplänen verschwindet, und aufzeigen, dass sie nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hat.

Präsentiert vom Anti-Rassismus Referat des AStAs der TU Braunschweig und der Antifaschistische Gruppe Braunschweig.

#1 – Marx und Marxismus. Eine Einführung / Ingo Elbe
[ 27.11. – 18Uhr – TU Braunschweig, Raum PK 2.2 ]
(Hat bereits stattgefunden)

#2 Einführung in die Wertkritik / Norbert Trenkle
[ 11.12. – 19Uhr – TU Braunschweig, Raum SN 19.3 ]

#3 – Einführung in den Fetischbegriff / Michael Heinrich

[22.01. – 19Uhr – TU Braunschweig, Raum SN 19.3]

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6 Kritikpunkte an der Veranstaltung „Nationalismus und die Sozialpsychologie vom autoritären Charakter“ http://agb.blogsport.de/2014/10/07/6-kritikpunkte-an-der-veranstaltung-nationalismus-und-die-sozialpsychologie-vom-autoritaeren-charakter/ http://agb.blogsport.de/2014/10/07/6-kritikpunkte-an-der-veranstaltung-nationalismus-und-die-sozialpsychologie-vom-autoritaeren-charakter/#comments Tue, 07 Oct 2014 20:04:58 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/10/07/6-kritikpunkte-an-der-veranstaltung-nationalismus-und-die-sozialpsychologie-vom-autoritaeren-charakter/ Eine Kritik dieser Veranstaltung der Gruppen gegen Kapital und Nation impliziert eine Kritik des GegenStandpunktes (GSP). Deswegen wird hier beides gemeinsam erledigt, ohne jedoch auf Belege aus dem Veranstaltungstext verzichten zu müssen.

Das Unbewusste
Es bleibt unklar, ob ernsthaft versucht wird, das Unbewusste zu widerlegen oder ob nur dessen Unbrauchbarkeit für die Gesellschaftstheorie behauptet wird. Nicht nur hier besteht eine Ähnlichkeit zur Position des GSP, wie ein Zitat von Karl Held zeigt:
„Es bedarf keineswegs einer Leugnung von Freiheit, und schon gar nicht der mühsam zusammenkonstruierten Macht des Un-Bewußten, um das Gelingen von Herrschaft und Ausbeutung auf dem Globus verständlich zu machen.“
Der Veranstaltungstext legt nahe, dass das Unbewusste herbeigezaubert wird, um das Ausbleiben der Revolution zu erklären. Tatsächlich lässt sich das Unbewusste, wie es etwa bei Freud entwickelt wird, an vielen Phänomenen veranschaulichen:

Psychosomatik und neurotische Symptome – laut den Veranstalter_innen rein körperliche Äußerungen oder bewusste Handlungen?

Hypnose – Man denke etwa an Jean-Martin Charcots Hypnoseversuche bei hysterischen Lähmungen, welche gerade für Freuds theoretische Beginne von Bedeutung waren.

Verdrängung – Als Reaktion auf Verwehrung. Ohne einen Begriff von Verdrängung wären sich alle Menschen ihrer Neigungen stets bewusst. Ein solch eindimensionales Menschenbild wird tatsächlich mit dem schillernden Begriff des Interesses beim GegenStandpunkt vertreten (siehe Punkt 4).

Fernab der Gesellschaftstheorie und der Frage nach den Gründen des Ausbleibens der Revolution gilt: Wer sich mit der menschlichen Psyche auseinandersetzt, stößt notwendigerweise auf das Unbewusste. Es ist schon fast komisch, eine solche Banalität als Argument anführen zu müssen.

Hang zum Positivismus
Im Ankündigungstext äußert sich der Hang zum Positivismus in Beschwerden darüber, dass ein Gewaltpotential empirisch nicht gefunden werden könne oder, dass psychoanalytische Annahmen kaum widerlegt werden könnten. Es handelt sich um den Vorwurf an die Psychologie, sie betreibe Spekulation, während es doch sinnvoll wäre auf sicherem Boden zu bleiben.

Der sichere Boden ist der positivistische Marxismus des GegenStandpunktes. Der Kapitalismus werde demnach durch Marx und seine vermeintlichen Nachfolger vom GSP eindeutig, abgeschlossen und prüfbar dargestellt. Die Bestimmung ist positiv wie die des wissenschaftlichen Experimentes. Auf das Verhältnis zwischen beschauendem Subjekt und beschautem Objekt wird nicht reflektiert: man beansprucht ja reine Objektivität. Nur so kann die Rede sein von überprüfbaren Wahrheitsgehalten. Theorie bedeutet so nicht etwa das Begreifen eines Gegenstandes, sondern die Übergabe eines starren, prüfbaren, abgeschlossenen Wahrheitsgehaltes, z.B. bei Schulungen.

Doch weder die menschliche Psyche noch der Kapitalismus sind ruhende, positiv zu bestimmende Gegenstände. Sowohl die Psyche (durch innere Dynamik, widerstrebende Triebziele und Ambivalenzen) als auch der Kapitalismus (als prozessierender Widerspruch der Wertverwertung) widerstreben durch ihre innere Widersprüchlichkeit einer positiv-systematischen Vollbestimmung. Hinter dem geäußerten Vorwurf, dass die Psychoanalyse keine prüfbaren Resultate liefere, verbirgt sich also ein positivistisches Wissenschaftsbild, welches jedoch in keinem Widerspruch zur eigenen Marx-Lektüre steht.

Überbetonung von Inhalt und Zweck

Womit der Ankündigungstext nicht falsch liegt, ist die inhaltliche Gleichheit von Patriotismus und Nationalismus. Hier wie überall wird sich jedoch auf den Inhalt beschränkt. Zu erfragen seien stets die inhaltlichen Ziele und Zwecke. Diese eigentümliche Überbetonung – ja Fetischisierung – des Inhalts und die Abkehr von Formbestimmungen sind typisch auch für den GegenStandpunkt.
Beim Nationalismus ist der Inhalt tatsächlich dann häufig nicht schlecht getroffen. Das Kapitalverhältnis mache die Menschen zu Konkurrent_innen und, wegen der Aufteilung der Welt in Staaten, zu Nationalist_innen. Es bleibt jedoch ungeklärt, wieso sich der Inhalt in verschiedenen Formen (bspw. in Pogromen oder lediglich in latentem Patriotismus) äußern kann. Es wird in dem Veranstaltungstext ja explizit abgelehnt, schon mit Begriffen wie dem des Gewaltpotentials zu arbeiten, da mit diesem ja schon vom inhaltlichen Grund und Zweck der Gewalt abstrahiert werde.

Eine Analogie zu Marx: Dieser warf der politischen Ökonomie vor, dass sie mit dem Wert zwar den Inhalt gefunden habe, aber nicht erklären könne, weswegen dieser grade die Form des Geldes und keine andere annehme. Ähnlich bleiben den Ökonomist_innen trotz inhaltlicher Ableitung des Nationalismus aus dem Kapitalverhältnis dessen (Erscheinungs-)Formen unerklärlich.
Wer mit den Schlagwörtern des Inhalts und des Zwecks meint jede banale Alltagshandlung vollständig erklären zu können – und das tun die Veranstalter_innen und der GSP mit einer solchen Kritik der Psychologie – dem entgeht nicht nur der halbe Spaß der Erkenntnis, sondern der zieht in seiner Borniertheit auch häufig falsche Schlüsse. Inhalt und Form sind nicht zwei Hälften einer Sache, sondern stehen miteinander im Wechselverhältnis.

Der freie Wille

Eines der Hauptanliegen der Veranstalter_innen liegt in dem Insistieren auf den freien Willen:

„Der Fehler der Theorie des autoritären Charakters besteht darin, die Menschen nicht als vernunftbegabte Subjekte zu nehmen, die nach ihrem Willen handeln.“

Was durch diese Insistenz auf den freien Willen bewirkt wird, kann man anhand des GSP-Argumentationsschemas einsehen. Dieser bezeichnet den Nationalismus als „berechnende Einrichtung der eigenen Vorurteile und Vorlieben […] aus freien Stücken“ und in unzähligen weiteren Beispielen ist dann die Rede von „willentlicher Anerkennung“ des Gehorsams, von „Berechnungen der Mitmacher“ oder von ähnlichen Bezeichnungen für das Einpassen ins Herrschaftsverhältnis aus freien Stücken.

Dieser einfache Begriff des freien Willens ist das Gegenstück zum einfachen Begriff des Interesses. Jeder/Jedem wird stets die Verfolgung seiner/ihrer Interessen unter Anerkennung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unterstellt. Praktisch bedeutet das, dass der GSP sich ins Alltagsgeschehen einmischen kann, indem er die Akteure der Verfolgung ihrer Interessen überführt. Durch den Nachweis der konkreten Agenten, welche ihr Interesse Verfolgung verfolgen, lässt sich zwar gut Anklagen, aber entscheidende Begriffe der Marxschen Theorie wie der der Charaktermaske verlieren so an Bedeutung.

Man bedient sich eines einfachen Bildes von Konformismus: Jede einzelne akzeptiere die vordergründigen Vorteile, die diese Gesellschaft zur Verfolgung des Interesses liefere, könne aber genauso einfach vorgerechnet bekommen, dass ihr Interesse im Kommunismus viel besser wegkommt, weswegen die Revolution dann auch ihr objektives Interesse sei. Gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse besitzen hiernach keinerlei Einfluss auf die menschliche Psyche. Die Begriffe der zweiten Natur und des Fetischs werden so substanzlos oder an die Staatsgewalt gekoppelt. Das Ich als Vermittlungsinstanz zwischen eigenen (z.T. unbewussten) Neigungen, Moral und Realität wird explizit abgelehnt, stattdessen mit theoretischen Verrenkungen wie einem selbstrelativiertem freien Willen gearbeitet.

Wenn die Veranstalter_innen mit großem Tamtam einen theoretischen Voluntarismus einfordert, so verbirgt sich dahinter ein simples Menschenbild, welches zwar praktische Eingriffe ins Alltagsgeschehen ermöglicht, jedoch zentrale Marxsche Begriffe (Charaktermaske, zweite Natur, Fetisch) unterhöhlt.

Schuld und Determinismus

Im Veranstaltungstext und in jeder einschlägigen GSP-Publikation fällt der Vorwurf, dass Psychologie im Allgemeinen und die Theorie des autoritären Charakters im Besonderen die Menschen entschulde, weil ihr Handeln determiniert werde.
Ein solcher Vorwurf trifft Theorie überhaupt. Auch Marx ließe sich vorwerfen, er entschulde böse Kapitalisten, weil er die theoretische Erklärung liefere, dass einzelne ökonomische Akteure im Kapitalismus austauschbar und unwesentlich seien. Unerklärlich, warum gerade wegen diesem immanentem Problem von Theorie – dass sie als Erklärung immer zugleich Exkulpation ist – vor der Subjektivität Halt gemacht werden soll. Es wäre sinnvoll hier eine Unterscheidung zwischen den theoretischen Disziplinen der Psychologie zu machen (Neuro-, Verhaltenspsychologie, Psychoanalyse etc.). Psychologie allgemein einen absoluten Determinismus vorzuwerfen, weil sie Umstände der menschlichen Willensbetätigung erforscht, zeugt im Übrigen nur von Begriffslosigkeit. Diese legt Karl Held dann auch an den Tag, wenn er Psychoanalyse und Behaviorismus in einem Abwasch versucht zu erledigen. Ähnlich auch der Generalvorwurf des Veranstaltungstextes:

„Die Kritische Theorie liefert so eine Entschuldigung für das Mitmachen, denn die herrschenden Verhältnisse bringen deterministisch die zu ihnen passenden Untertanen hervor.“

Die Frage von Schuld und Determinismus ist tatsächlich heikel. Wenn gar Triebe oder infantile Sexualität als Entschuldungen verworfen werden und mit dem Argument der Entschuldung die ganze Kritische Theorie angeklagt wird, wird Radikalität an der falschen Stelle geübt.

Subjektivität
Um in die Frage der Schuld Klarheit zu bringen, muss die Subjektivität ins, statt aus dem Visier genommen werden. Es gilt zu erfragen, wo Freiheit, Subjektivität und mit ihnen auch die Schuldfähigkeit beginnt. Wohl kaum beim Säugling, beim Neandertaler oder Menschenaffen. Sie müssen also als Gewordenes begriffen werden.

Dies ist im Übrigen auch Arbeitsfeld der Psychoanalyse im positiven und der Theorie des autoritären Charakters im negativen Sinne. Dementsprechend sagen psychoanalytische Begriffe von Freiheit, Ich und Subjekt grade wegen der prekären Lage, in der sich Subjektivität befinden kann, auch sehr viel mehr aus als das einschlägige Begriffsinstrumentarium des GSP. Subjektivität, welche sich relativ autonom artikulieren kann, ist in diesem Sinne als etwas Gewordenes und manchmal eben tendenziell vereiteltes, aber keineswegs als a priori jedem Gegebenes, zu verstehen. Nur einer Gesellschaftskritik, welche sich nicht davor scheut mit Begriffen wie Trieb, Unbewusstes oder autoritärer Charakterstruktur die Subjektivität einzugrenzen, kann es gelingen sie im positiven Sinne noch glaubhaft festhalten zu können.

Fazit
Eine Kritik einzelner psychologischer Disziplinen oder etwa der gesamten Psychologie als Wissenschaft ist ein nobles Unterfangen. Die Marx-Lektüre des GegenStandpunktes ist hier jedoch keine gute Ratgeberin. Nicht nur wird sich einem ganzen Erkenntnisfeld verschlossen, sondern auch die Ökonomiekritik selber leidet unter der Borniertheit.

Eine Hinwendung des Marxismus zur psychologischen Erklärung bedeutet keine Abkehr von einer Ökonomiekritik. Marxsche Begriffe wie die der zweiten Natur, des Fetischs oder der Charaktermaske können durch eine psychologische Vermittlung sogar an Substanz gewinnen. Wir glauben dementsprechend, dass gerade die Psychoanalyse in manchen Fragen nicht nur notwendiges Medium von Erkenntnis, sondern auch von Kritik ist.

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Infoveranstaltung + Aufrufpräsentation „Kritik im Vakuum – Beitrag zu einer Debatte die nicht stattfindet“ http://agb.blogsport.de/2014/09/23/infoveranstaltung-aufrufpraesentation-kritik-im-vakuum-beitrag-zu-einer-debatte-die-nicht-stattfindet/ http://agb.blogsport.de/2014/09/23/infoveranstaltung-aufrufpraesentation-kritik-im-vakuum-beitrag-zu-einer-debatte-die-nicht-stattfindet/#comments Tue, 23 Sep 2014 19:46:11 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/09/23/infoveranstaltung-aufrufpraesentation-kritik-im-vakuum-beitrag-zu-einer-debatte-die-nicht-stattfindet/ Donnerstag, 25. Sept um 19:00
Nexus Braunschweig (Frankfurter Straße 253)

Am dritten Oktober diesen Jahres ist Hannover Gastgeber des Spektakels rund um die Einheitsfeier. Gefeiert wird an diesem Datum ganz unspektakulär der Stichtag der formellen Übernahme der DDR durch die BRD. In Hannover wird sich der Deutsche Staat anlässlich dieses Tages in Szene setzen und seine Politik würdigen lassen, ohne die nationalistisch aufgeladene feucht-fröhliche Stimmung der Fußballfanmeilen. So oder so – kein Grund zum Feiern. Denn diese Ordnung, die mit der Politik des deutschen Staates gesichert wird, bedeutet immer auch: Armut, Ausgrenzung und Leistungszwang. Verschiedenste linke Gruppen organisieren daher gegen dieses Feiern der Nation ein breites Gegenprogramm vom 2. bis zum 4. Oktober. Warum sie das machen und was genau euch erwartet soll Inhalt dieser Veranstaltung sein.

Im Anschluss an den allgemeinen Teil zu den Gegenaktivitäten während der Einheitsfeierlichkeiten werden wir, die Antifaschistische Gruppe Braunschweig unseren Aufruf „Kritik im Vakuum – Beitrag zu einer Debatte, die nicht stattfindet“ vorstellen, der sich anfangs mit der Konstitution des Staates auseinandersetzt, im Anschluss den Verlauf des deutschen Nationalismus, beginnend beim Kaiserreich bis in die Gegenwart verfolgt, um eine Essenz des deutschen Nationalismus zu bestimmen und den Begriff der deutschen Spezifik zu erläutern, um sich abschließend der Frage zu widmen, was die Gesellschaft mit den Subjekten anstellt, dass diese zu Nationalist_innen werden.

Der Aufruf ist hier zu finden: http://issuu.com/antifaschistischegruppebs/docs/kritik_im_vakuum_web
Eine Textversion zum ausdrucken und herunterladen ist hier zu finden: http://agb.blogsport.de/images/KritikimVakuum.pdf
Facebook-Veranstaltung https://www.facebook.com/events/456679807803742/

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Kritik im Vakuum – Beitrag zu einer Debatte, die nicht stattfindet http://agb.blogsport.de/2014/09/10/kritik-im-vakuum-beitrag-zu-einer-debatte-die-nicht-stattfindet/ http://agb.blogsport.de/2014/09/10/kritik-im-vakuum-beitrag-zu-einer-debatte-die-nicht-stattfindet/#comments Wed, 10 Sep 2014 13:13:26 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/09/10/kritik-im-vakuum-beitrag-zu-einer-debatte-die-nicht-stattfindet/ Auch wir rufen dazu auf, sich an den Protesten gegen die Einheitsfeierlichkeiten im Oktober in Hannover zu beteiligen, allerdings sind wir der Auffassung, dass sich keiner der bisherigen Aufrufe der Thematik des Nationalismus auf einer tiefergehenden, inhaltlichen Ebene widmet, weshalb wir uns dazu entschlossen haben, einen eigenen Beitrag zu verfassen.

Hier findet ihr eine Reintext-Version: Kritik im Vakuum

Unterstützer_innen:
A2K2|Emanzipatorische Antifa Duisburg|Initiative gegen Duisburger Zustände|association [belle vie]

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Fällt aus: „Psychologie des Rassismus“ http://agb.blogsport.de/2014/08/13/faellt-aus-psychologie-des-rassismus/ http://agb.blogsport.de/2014/08/13/faellt-aus-psychologie-des-rassismus/#comments Wed, 13 Aug 2014 18:58:39 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/08/13/faellt-aus-psychologie-des-rassismus/ Leider kann die eigentlich für den 14.8. angedachte Veranstaltung (Psychologie des Rassismus) unserer Vortragsreihe „Psychoanalyse, Gesellschaft, Rassismus“ nicht stattfinden.

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Veranstaltungsreihe: Psychoanalyse, Gesellschaft, Rassismus http://agb.blogsport.de/2014/07/30/veranstaltungsreihe-psychoanalyse-gesellschaft-rassismus/ http://agb.blogsport.de/2014/07/30/veranstaltungsreihe-psychoanalyse-gesellschaft-rassismus/#comments Wed, 30 Jul 2014 14:35:13 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/07/30/veranstaltungsreihe-psychoanalyse-gesellschaft-rassismus/

Am 31. Juli 2014 beginnt eine von uns unterstützte Veranstaltungsreihe des Antira-Referats des AStA der TU Braunschweig.

31.07. 19 Uhr – Vortrag: Gesellschaftskritik und Psychoanalyse (TU-Altgebäude, SN 19.4)
07.08. 19 Uhr – Vortrag: Von Lampedusa nach Hellersdorf (TU-Altgebäude, SN 19.3)
14.08. 19 Uhr – Vortrag: Psychologie des Rassismus (TU-Altgebäude, SN 19.3)

Für weitere Informationen und die Ankündigungstexte der Veranstaltungen sei auf die Internetseite des Antira-Referats verwiesen

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Redebeitrag: Keine Emanzipation ohne die der Gesellschaft http://agb.blogsport.de/2014/05/08/redebeitrag-keine-emanzipation-ohne-die-der-gesellschaft/ http://agb.blogsport.de/2014/05/08/redebeitrag-keine-emanzipation-ohne-die-der-gesellschaft/#comments Thu, 08 May 2014 09:53:09 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/05/08/redebeitrag-keine-emanzipation-ohne-die-der-gesellschaft/

Keine Emanzipation ohne die der Gesellschaft by Antifaschistische Gruppe Bs on Mixcloud

Es sei auch hier noch einmal auf unseren Redebeitrag anlässlich der Demonstration „Etwas besser ist nicht gut“ vom 30. April 2014 hingewiesen. Neben der Audioversion gibt es auch nochmal den Text zum nachlesen:

Eine Linke, die sich eine radikale Gesellschaftskritik auf die Fahne schreibt, muss sich zwangsläufig mit der Frage, wie Reproduktion gesellschaftlich organsiert wird, auseinandersetzen – vor allem, wenn an der Frage der Reproduktion die strukturelle Unterdrückung der Hälfte der Menschheit hängt.
Rechtlich sind wir als Bürgerinnen freie, gleiche Vertragssubjekte. Auch Frauen sind auf Grund feministischer Kämpfe und kapitalistischer Notwendigkeit seit den späten 70er Jahren formal als bürgerliche Subjekte anerkannt. Seitdem ist es ihnen möglich, ihre Arbeitskraft ohne Zustimmung ihrer Ehemänner zu verkaufen. In der Öffentlichkeit stehen Frauen nun genauso unter dem direkten Zugriff des Kapitals wie Männer, dort sind sie aber meist noch von niedrigeren Löhnen und schlechteren Arbeitsbedingungen betroffen. Im Privaten werden sie in die unbezahlte Reproduktionsarbeit gedrängt. Denn innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise ist die Abspaltung der Reproduktionssphäre von der bezahlten Wertproduktion notwendig. Da, wo Reproduktionsarbeit in wert gesetzt wird, etwa in Pflegeheimen die profitorientiert wirtschaften, findet sie meist nur prekär statt. Durch Mangel an Produktivitätssteigerung ist die Akkumulation von Mehrwert hier nur möglich durch die Senkung der Lohnkosten. Daraus folgen schlechtere Arbeitsbedingungen und eine qualitativ schlechte Gesundheitsversorgung. Ein Großteil der Reproduktionsarbeit ist deshalb kaum oder nur bis zu einem bestimmten Grad verwertbar. So wird die Reproduktionsarbeit zur Aufgabe der bürgerlichen Kleinfamilie bzw. der Frau. Damit wird die fundamentale Frage nach Bedürfnissen und Bedürfnisbefriedigung zu einer individuellen, die in die Verantwortung der vereinzelten Einzelnen fällt. Dabei ist die eigene Reproduktion aber kein Selbstzweck und die Privatsphäre kein Hort des Guten, sondern nur die Notwendigkeit der Wiederherstellung der Arbeitskraft. Auch die Freizeit steht im Dienste der Kapitalakkumulation.
Es stellt sich nun die Frage, weshalb gerade Frauen der Sphäre der Reproduktion zugeordnet werden. Mit einer rein ökonomistischen Analyse kann dieser Zusammenhang nicht begriffen werden. Zwar geht historisch die materielle Ungleichheit damit einher, dass der Mann mit dem Lohn auch für seine Reproduktion bezahlen muss, d.h. inklusive seiner Frau und den Unterhalt für seine Kinder bzw. Ersatzarbeitskräfte. Aber das erklärt nicht, warum sich trotz der Konstitution der Frau als bürgerliches Subjekt, Frauenfeindlichkeit und die Abwertung von Frauen zugeschriebenen Arbeitsbereichen immer noch halten.

Die Dekonstruktivist_innen können Geschlechterverhältnisse aber auch nicht erklären, weil sie die materiellen Verhältnisse nicht mit einbeziehen. Sie begreifen die Sprache nicht nur als Ansatzpunkt für politische Praxis, sondern weisen ihr eine geschlechterkonstituierende Funktion zu. Das Geschlechterverhältnis können sie mit dieser Konstituierung des Geschlechts auf Bedeutungsebene nicht erklären und nehmen es selbst oft affirmativ auf. Parallel zu den seit den 90er Jahren zunehmenden Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt fordern diese eine Instabilität von Identitäten was praktisch nichts anderes ist, als die Umsetzung dieser Flexibilisierung im privaten. Es wird nicht erkannt dass diese Verhältnisse genau solche instabile Identitäten fordern.
Andersherum greift eine Kritik, die von einer automatischen, kulturellen Verarbeitung der Verhältnisse á la „Es ist so, weil es so sein muss“ ausgeht, zu kurz, weil sie die Frage nach der historischen Gewachsenheit und der spezifischen psychischen Verarbeitungsform materieller Verhältnisse nicht stellt. Der Ursprung bürgerlicher Geschlechterrollen liegt in der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft und der Konstitution des bürgerlichen Subjekts. Mit der französischen Revolution hat die bürgerliche Klasse die politische Macht übernommen. In den Jahrhunderten zuvor hatte sie sich die ökonomische Macht bereits angeeignet und nach feudaler, patriarchaler Logik an ihre Söhne weitergegeben. Dies war die entscheidende Voraussetzung, die es dem männlichen, weißen Besitzbürgertum in Europa ermöglichte, sich die politische Vorherrschaft anzueignen und den modernen bürgerlichen Staat einzurichten. In diesem Staat findet sich der Bürger als politisch handelndes Subjekt wieder – zumindest in dem Handlungsrahmen den die Herrschaft des Wertes zulässt. Und hier setzt die Vorstellung des Mannes als aktiver Part in Staat, Wirtschaft und Familie ein. Sein Subjektstatus geht immer mit einem Anspruch zum aktiven Verhältnis zur Umwelt einher. Diese Zuschreibung konstruierte und zementierte die Passivität der Frau in diesen Bereichen, da sie zu diesem Zeitpunkt eben diesen bürgerlichen Subjektstatus noch nicht erlangt hatte. Dieses Verhältnis von Aktivität und Passivität hat sich eingeschrieben in die heute noch gültigen Geschlechterrollen und in die materiellen Verhältnisse.
Mit der Loslösung gesellschaftlicher Herrschaft vom Souverän und ihrer Demokratisierung muss jeder Bürger die Macht des Staates verinnerlichen, sowie sich selbst und seine Triebe und Bedürfnisse beherrschen, um sie den Idealen der kapitalistischen Gesellschaft unterzuordnen. Das bedeutet für den Mann sein Bedürfnis nach Passivität zu unterdrücken und jegliche tatsächliche Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen zu verdrängen. Dafür muss er sie auf das vermeintliche Wesen der Frau projizieren und sie an ihr abwerten.
Die Geschlechterzuschreibungen finden sich manifestiert in den materiellen Verhältnissen, in Form von Abspaltung und Abwertung der weiblich konnotierten Reproduktionssphäre und Gewalt gegen Frauen. Jenes Geschlechterregime entsteht und reproduziert sich in der Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft. Materielle Verhältnisse in Form von kapitalistischen Notwendigkeiten, ihre kulturelle Verarbeitung in Form von Normen und ihre psychische Verarbeitung als Charakterstrukturen sind ineinander vermittelt und in der Analyse nicht voneinander zu trennen. Sie zusammen bilden ein totalitäres und wirkmächtiges Patriachat.

Das gute Leben muss auf allen Ebenen erkämpft werden

Kapitalismus und Patriarchat abschaffen

Fight for Feminism!

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ETWAS BESSER IST NICHT GUT Geschlechterverhältnisse. Kapitalismus. Abschaffen. Demonstration 30. April 2014 in Göttingen http://agb.blogsport.de/2014/04/08/etwas-besser-ist-nicht-gut-geschlechterverhaeltnisse-kapitalismus-abschaffen-demonstration-30-april-2014-in-goettingen/ http://agb.blogsport.de/2014/04/08/etwas-besser-ist-nicht-gut-geschlechterverhaeltnisse-kapitalismus-abschaffen-demonstration-30-april-2014-in-goettingen/#comments Tue, 08 Apr 2014 20:44:54 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/04/08/etwas-besser-ist-nicht-gut-geschlechterverhaeltnisse-kapitalismus-abschaffen-demonstration-30-april-2014-in-goettingen/

Aufruf zur Demonstration am 30. April 2014 in Göttingen:

Im Jahr 2014 erscheint Deutschland einigermaßen an der Krise vorbei geschrammt und munter geht es weiter im kapitalistischen Alltag. Dass dieser Alltag das Leben der meisten Menschen zu einer einzigen Krise macht, verbleibt als scheinbar unabänderliche Nebenwirkung. Gelegentliches Aufflammen kleiner Proteste, ein paar Verbesserungsvorschläge hier, ein paar Reformen da und wieder neue Kürzungen, mal an dieser, mal an jener Ecke – die Räder drehen weiter.

So muss es nicht bleiben. Wenn etwas besser ist, ist es noch lange nicht gut. Dann stimmt etwas grundsätzlich nicht und dann muss das Grundsätzliche geändert und etwas Neues erschaffen werden. So wie der Kapitalismus von Menschen gemacht ist, so kann er auch von den Menschen abgeschafft werden.

Vergleicht man die Bedingungen, unter denen die Menschen überleben müssen, mit dem was technologisch und gesellschaftlich möglich ist, dann fällt auf, dass die Reproduktion der eigenen Existenz für die meisten Menschen permanent krisenhaft verläuft. Weniger abstrakt gesprochen: Stress durch Arbeit, genussfreies Essen, Vereinzelung, Mobbing und Konkurrenz, Geldsorgen, miese Wohnung, kein Kita-Platz, Zukunftsängste, Zeitdruck und immer noch mehr Scheiße – alles Zumutungen, die eine Woche zum Spießrutenlauf werden lassen. Solche Zumutungen erscheinen oftmals als individuelle Probleme, mit denen man dann individuell kämpfen muss. Dabei hängen sie davon ab, wie eine Gesellschaft organisiert ist.

Große Teile linker Bewegungen haben ihre Kritik an den Zumutungen dieser Gesellschaft lange Jahre auf den Bereich der Produktion fokussiert und so mit dazu beigetragen, den Bereich der Reproduktion unsichtbar zu halten. Reproduktion ist all das, was Menschen tun müssen, um am nächsten Tag, im nächsten Monat und in der nächsten Generation wieder für Lohnarbeit zur Verfügung zu stehen. Irrtümlicher Weise wird das häufig als »Freizeit« bezeichnet. Denn, wie die meisten Menschen aus dem eigenen Alltag wissen, ist die lohnarbeitsfreie Zeit alles andere als frei: Es muss gekocht, eingekauft, geputzt, Kinder müssen aufgezogen und für sich und andere gesorgt werden. Es muss sich auch psychisch arbeitsfähig gehalten werden, also relaxen, lästern, joggen, saufen etc.

Historisch wurde die Verantwortung für die Reproduktion den Frauen* zugeschrieben. Sie seien von Natur aus dafür vorgesehen und ausgestattet, um in der bürgerlichen Kleinfamilie die gute Seele zu spielen. Einfühlsam, emotional, passiv, monogam – dies seien Eigenschaften einer Frau*. Dass das Patriarchat im Kapitalismus genau diese Form und nicht eine andere angenommen hat, ist kein Zufall, sondernverknüpft mit gesellschaftlichen Entwicklungen, mit der Durchsetzung der kapitalistischen Warenproduktion Ende des 18. Jahrhunderts.

Lohn gibt es im Kapitalismus nicht für bedürfnisbefriedigende oder -orientierte Tätigkeiten. Lohn gibt es nur, wenn sich jemand findet, der jemandem eine Tätigkeit abkauft und mit der Anwendung der gekauften Arbeitskraft einen Profit machen kann. All die für das Überleben notwendigen Tätigkeiten, mit deren Ausübung sich kein Profit machen lässt, muss irgendwer unbezahlt erledigen. Da passt eine Ideologie gut, in der die Hälfte der Menschheit – die Frauen – von Natur aus oder, je nach Geschmack, von Gott angeblich dafür vorgesehen ist, diese Tätigkeiten unter Selbstaufgabe und durch Zurückstellung der eigenen Bedürfnisse auszuüben.

In der bürgerlich-patriarchalen Familie muss der Lohn des Mannes* für Frau* und Kinder ausreichen. Reproduktionstätigkeiten werden also nur indirekt entlohnt und führen dazu, Frauen* in materieller Abhängigkeit ihrer Männer* zu halten. Das hat zu viel Verzweiflung und Schrecken und in Folge dessen auch zu vielen Kämpfen geführt. Der Lohn, den ein Unternehmen für die Reproduktion des Lohnarbeiters* samt Frau* und Kindern bezahlt, ist Abzug vom potentiellen Profit des Unternehmens. Klar, dass die Unternehmen getrieben von der Konkurrenz um Marktanteile ein Interesse daran haben, möglichst wenig Geld für die Reproduktion der Menschen zu verplempern. Die Reproduktion ist also immer prekär und umkämpft.

Heutzutage werden Teile der Reproduktionssphäre selbst warenförmig organisiert. Das heißt, dass z.B. Pflegeheime oder Krankenhäuser von privaten Unternehmen betrieben werden, die damit Profit erwirtschaften wollen. Um die Kosten niedrig und den Profit hoch zu halten, orientiert sich somit auch die Pflege von Menschen nicht an deren Bedürfnissen, sondern am Geld. Dieser Kostendruck führt zu unfassbarem Elend – sowohl auf Patient*innen- also auch auf Lohnarbeiter*innen-Seite, in Pflegeheimen wie in Krankenhäusern. Ordentliche Pflege und Gesundheit sind damit zu Luxusgütern verkommen, die sich nur die Wenigsten leisten können.

150 Jahre globaler feministischer Kämpfe haben in den Metropolen dafür gesorgt, dass immer mehr Frauen* aus der direkten materiellen Abhängigkeit vom jeweiligen Mann* entlassen sind. Das ist zwar ein großer Erfolg, doch frei von Abhängigkeiten sind Frauen* auch heute nicht. Im Kapitalismus des frühen 21. Jahrhunderts dürfen Frauen* zwischen materieller Abhängigkeit von Ehemann, Staat oder Arbeitsmarkt auswählen. Das führt oft zu einer aufreibenden Doppelbelastung, müssen Frauen* doch in „modernen“ Zweiverdiener-Beziehungen in der Produktion „ihren Mann stehen“, nur um dann zu Hause nach wie vor für die reproduktiven Tätigkeiten zuständig zu sein.

Die bürgerliche Forderung nach formaljuristischer Gleichstellung von Mann* und Frau* bietet keine feministische Perspektive. Ziel des Feminismus bleibt die reale Abschaffung der Kategorie Geschlecht in allen gesellschaftlichen Bereichen – ökonomisch, sozial, politisch. Nur ohne diese Kategorie kann Benachteiligung aufgrund von Geschlecht überwunden werden. Im Kapitalismus bleibt das unmöglich, einen emanzipatorischen Gesellschaftsentwurf ohne feministische Ausrichtung gibt es nicht.

Am 1. Mai gehen überall auf der Welt Menschen auf die Straße, um für ein besseres Leben zu kämpfen, und um die Kämpfe, die sie den Rest des Jahres über führen, sichtbar zu machen. In Deutschland hört man immer wieder die üblichen Appelle an die Regierung, sie solle doch bitte mehr Geld für Soziales, für Kindergärten, für Krankenhäuser, für Bildung locker machen und – achja – vor allem die Löhne müssten auch mal wieder steigen.

So richtig und verständlich solche Forderungen nach konkreten Verbesserungen sind, eigentlich kann man es besser wissen: Der Staat ist die falsche Adresse, denn er hat überhaupt nicht den Zweck das gute Leben für die Menschen zu garantieren. Der Staat hat als erstes ein Interesse an sich selbst. Um selbst möglichst gut in der globalen Konkurrenz der Standorte dazustehen, ist es für ihn unerlässlich, den Rahmen für eine möglichst starke Nationalökonomie zu schaffen. Die Steuern, die der Staat einnimmt, werden dafür eingesetzt, um der eigenen Wirtschaft einen Konkurrenzvorteil auf dem Weltmarkt zu verschaffen. Was das nun ist, das den Staat möglichst gut dastehen lässt, ob eine modernere Infrastruktur oder kostenlose Kindergartenplätze, eine stärkere Binnennachfrage durch höhere Renten, Löhne und Sozialleistungen oder billigere Arbeitskräfte durch geringere Löhne und Sozialabgaben, das ist nicht ausgemacht und zentraler Gegenstand der bürgerlichen Politik.

Am individuellen Wohlergehen der Menschen hat der Staat kein Interesse, nur an seinem Subjektcharakter als Staatsbürger*. Erst wenn die Reproduktion der lohnabhängigen Klasse als Ganzes das Fortkommen des heimischen Kapitals gefährdet oder die Kämpfe der Lohnabhängigen selbiges tun, sieht sich der Staat zum Handeln gezwungen – davor können die Menschen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Den Staat daran erinnern zu wollen, dass es den Menschen nicht gut geht, scheint daher ein Holzweg zu sein.

Sicher ist nur: Das gute Leben für alle Menschen, für das wir am 30. April erneut auf die Straße gehen, steht in der vom Staat vorgegeben Form des Politischen notwendigerweise nicht auf der Tagesordnung. Denn was gut für den Standort ist, hat häufig verheerende Folgen für Menschen.

Für das gute Leben ist eine grundlegende gesellschaftliche Transformation nötig. Was heißt das?

Es reicht nicht aus, für Verbesserungen innerhalb des gegebenen Rahmens dieser Gesellschaft zu kämpfen und die Prinzipien, die die permanente Krise in der Reproduktion erzeugen, dabei stillschweigend hinzunehmen.

Wir wollen alle Verhältnisse umwerfen, »in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes,
ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«. Für eine Gesellschaft, in der die Trennung von Produktion und Reproduktion und die damit zusammenhängende Konstruktion von Geschlechtern aufgehoben ist! Für eine Gesellschaft, in der die zur Bedürfnisbefriedigung der Menschen notwendige Arbeit so verteilt wird, dass jede*r nach seinen* und ihren* Fähigkeiten gibt und nach seinen* und ihren* Bedürfnissen nimmt! Das, und nicht autoritären Staatskapitalismus mit Arbeiter*innenkitsch, nennen wir Kommunismus.

Für den Feminismus – Für den Kommunismus!
Antifaschistische Gruppe Braunschweig
Basisgruppe Sozialwissenschaften
redical M
im März 2014

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Veranstaltungsreihe: Sexualität, Gewalt & bürgerliches Subjekt http://agb.blogsport.de/2014/03/21/veranstaltungsreihe-sexualitaet-gewalt-buergerliches-subjekt/ http://agb.blogsport.de/2014/03/21/veranstaltungsreihe-sexualitaet-gewalt-buergerliches-subjekt/#comments Fri, 21 Mar 2014 09:45:26 +0000 Administrator Allgemein http://agb.blogsport.de/2014/03/21/veranstaltungsreihe-sexualitaet-gewalt-buergerliches-subjekt/

In der radikalen Linken wird seit Jahren über die Zusammenhänge von Sexualität, Gewalt und bürgerlichem Subjekt diskutiert und gestritten. Besonders bei den ersten beiden Themen entwickelte diese Auseinandersetzung in der Vergangenheit, insbesondere nach dem öffentlichen Vorwurf eines sexuellen Übergriffs, des öfteren eine Dynamik, die bis hin zu gewaltätigen Übergriffen führte.
Eine inhaltliche Beschäftigung mit dem Gegenstand kommt in der Diskussion über sexuelle Gewalt meist überhaupt nicht vor. Auch bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema muss es darum gehen, ihn in den Kontext gesellschaftlicher Zusammnhänge zu stellen um eine fundierte Kritik entwickeln zu können.
Um verkürzten Schlüssen entgegenzuwirken werden Les Madeleines in unserer ersten Veranstaltung eine Kritik der Definitionsmacht formulieren die unter anderem beleuchten soll, wohin eine subjektivistische Kritik ohne Einbindung der objektiven Gegebenheiten führt.
Im Anschluss an diese Kritik der Definitionsmacht folgt Andrea Trumann mit einer Analyse der bürgerlichen Subjektkonstitution, ihrer Geschlechtlichkeit und der darin angelegten Heteronormativität.
Den Abschluss bildet eine Veranstaltung mit der Gruppe „Kritik im Handgemenge“. Diese haben zehn vorläufige
Diskussionsthesen verfasst, welche die Bedingtheit sexueller Gewalt durch die Subjektkonstitution in der bürgerlichen Gesellschaft beleuchten sollen.

21. März 2014: „Kein Kavaliersdelikt – Eine feministische Kritik der Definitionsmacht“ – Veranstaltung mit Les Madeleines
19 Uhr im Nexus (Frankfurter Straße 252, Braunschweig)

Facebook-Veranstaltung

28. März 2014: „Das bürgerliche Subjekt – Der Versuch einer materialistischen Kritik der Gewalt gegen Frauen“ – Vortrag mit Andrea Trumann
19 Uhr im Falkenzentrum SUB (Kuhstraße 28, Braunschweig)

Facebook-Veranstaltung

3. April 2014: „Vorläufige Thesen zu sexueller Gewalt“ – Diskussionsveranstaltung mit Kritik im Handgemenge (Bremen)
19 Uhr im Nexus (Frankfurter Straße 252, Braunschweig)

Facebook-Veranstaltung

Veranstaltet von:
Antifaschistische Gruppe Braunschweig
SJ Die Falken – KV-Braunschweig
Unterstützt von:
à sinistra
Antifa-Referat des Asta der TU Braunschweig

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